Artikel aus der Berliner Morgenpost, 2000
Das mobile Jobteam vom Verein Gangway bietet Hilfe bei der Ausbildungssuche vor Ort an

Pankow – Für viele Jugendliche haben im Juli die letzten großen Ferien begonnen. Sie starten im September mit einer Ausbildung oder ergatterten einen Studienplatz. Im günstigsten Fall. Doch ein großer Prozentsatz der Berliner Schulabgänger nutzt die Sommerferien für den Endspurt auf die letzten freien Ausbildungsplätze. Und die sind rar. Die Motivation der Jugendlichen lässt mit jeder Absage ebenfalls nach. Der Gang zur Berufsberatung bringt nicht die ersehnten Erfolge, weil die Angebote nicht den Vorstellungen entsprechen oder die Mitarbeiter nicht genügend auf die Bedürfnisse der Jugendlichen eingehen. Der Sommer ist gelaufen. Einige jobben, um sich etwas Geld zu verdienen, andere leben ins Blaue hinein.

Das mobile Jobteam vom Verein Gangway bietet Hilfe bei der Ausbildungssuche vor Ort an. Die Sozialarbeiter suchen die Jugendlichen dort auf, wo sie sich am liebsten aufhalten: in den Jugendclubs, auf der Straße, in den Parkanlagen. Dort erfährt das Team von den Problemen der Jugendlichen, die sich in den meisten Fällen nicht nur um die Suche nach einer Lehrstelle drehen: «Bei vielen kommt alles zusammen. Stress im Elternhaus, Schulden durch nicht bezahlte Handyrechnungen oder Schwarzfahren, Drogenprobleme und zusätzlich der Druck, eine Lehrstelle zu finden», sagt Sozialpädagogin Astrid Kleber (28).

Da steht das Problem «Ausbildung» natürlich an letzter Stelle, so Kleber weiter. In solchen Fällen stellen die Sozialarbeiter erst einmal den Kontakt zur Schuldner- oder Drogenberatung her und helfen, die persönlichen Probleme zu lösen. Dann erst beginnt die gemeinsame Suche nach einem geeigneten Job: «Wir können den Jugendlichen keine Entscheidungen abnehmen, bitten sie uns aber um Hilfe, sind wir für sie da», sagt Daniel Plaisant (28).

Das Jobteam wurde im Rahmen des Jugendsoforthilfeprogramms der Bundesregierung im September 1999 gegründet. Finanziert wird das Projekt vom Arbeitsamt Berlin Nord des Großbezirks Pankow. Insgesamt drei Sozialarbeiter sind in dem Projekt beschäftigt. Die Resonanz ist positiv. Im vergangenen Jahr ergaben sich 75 intensive Einzelbetreuungen, in diesem Jahr sind es über 50.

Die Betreuung beginnt damit, dass die Mitarbeiter vom Jobteam die Berufswünsche der Ausbildungssuchenden akzeptieren, so ausgefallen sie auch sein mögen: «Will jemand Pilot werden, dann machen wir ihm seinen Traum nicht kaputt. Gemeinsam überlegen wir, ob es bei seiner Qualifikation möglich ist, Pilot zu werden. Besteht der Wunsch weiterhin, dann soll er sich bewerben», sagt Astrid Kleber. Das Jobteam sieht seine Aufgabe darin, Träume zu realisieren und nicht den Jugendlichen Steine in den Weg zu legen, ergänzt Plaisant.

Alexandra zum Beispiel beginnt im September eine Lehrstelle als Einzelhandelskauffrau. Die 22-Jährige hat im Sicherheitsdienst gearbeitet und wegen betriebsinterner Schwierigkeiten gekündigt. Dann stand sie auf der Straße. Familiäre Schwierigkeiten und Drogenprobleme bremsten ihren Tatendrang. Zu guter Letzt machte der Freund mit ihr Schluss.

Alexandra sah in dem Jobteam ihren letzten Ausweg: «Sozialpädagogen sind die einzigen, von denen ich noch Hilfe annehme. Sie hören zu, sind für mich da und nutzen mich nicht aus», erklärt die junge Frau. Sie wollte einen Ausbildungsplatz. Koste es, was es wolle. Einzelhandelskauffrau sei zwar nicht ihr Traumberuf, aber ein Anfang. In der letzten Woche hatte sie ihr Bewerbungsgespräch: «Ich habe bei Daniel angerufen und wir haben die Situation einmal durchgeprobt.» Sie bekam die Lehrstelle. Manchmal kann es Alexandra noch gar nicht fassen.

Jacqueline (22) hatte noch kein Glück. Sie hat ihre Lehre als Tierarzthelferin geschmissen. Private Probleme taten ihr Übriges. Auch sie möchte als Verkäuferin im Einzelhandel arbeiten, hat mit Hilfe des Jobteams bereits einige Bewerbungen abgeschickt. Sie ist zuversichtlich, im September eine Lehre zu beginnen. Für diese Jugendlichen ist das mobile Team der letzte Rettungsanker.

Um noch mehr Jobsuchende zu unterstützen, hätten die Sozialarbeiter gern einen Bus, ausgerüstet mit Computer und Internetanschluss, um die Bewerbung gleich vor Ort zu schreiben: «Bezirk und Arbeitsamt fehlt leider das Geld. Wir suchen dringend nach Sponsoren, um unser Team noch mobiler zu machen», sagt Daniel Plaisant.

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