“Obdachlos in Berlin”

Projekt: "Obdachlos in Berlin"

Wir trafen uns für die gemeinsame Jahresplanung. “Was möchtet ihr in den nächsten Monaten organisieren und wobei können wir euch unterstützen?”

“Wir möchten auch mal jemandem helfen und haben uns überlegt an Obdachlose Essen zu verteilen!” 

Diese Idee fanden wir super cool. Glücklicherweise haben wir bei uns im Träger auch Teams, die mit obdachlosen Menschen arbeiten. Sie wissen am Besten, wie wir diesen Vorschlag in die Tat umsetzen können…

Also haben wir uns gleich mal mit dem Team Drop Out Focus in Verbindung gesetzt. Gemeinsam mit den Kolleg:innen und den Jugendlichen ist die Projektidee: “Obdachlos in Berlin” entstanden.

Kennenlernen

Für ein erstes Kennenlern-Treffen haben wir die Kolleg:innen zu uns ins wunderschöne Reinickendorf eingeladen. Die Mädchengruppe überlegte sich, unsere Gäste mit leckerem Essen zu überraschen. Also gingen wir vorher einkaufen und richteten alles so her, dass wir entspannt zusammensitzen konnten. Ein wenig aufgeregt nahmen wir dann Martyna (ihren Hund) und Sasa in Empfang. Nach einer Vorstellungsrunde berichteten die Mädchen von ihrer Idee. Da sich im Moment viele Berliner:innen sozial engagieren und vor allem Essen verteilen, überlegten wir uns etwas Neues. Wir möchten für die Frauen, die auf der Straße leben, Hygienebeutel packen – mit Desinfektionsmittel, Menstruationsartikeln, Duschgel, usw.

Davor wollten wir allerdings erst einmal etwas über Menschen, die auf der Straße leben (müssen), erfahren. Deshalb stellten uns Martina und Sasa ihre Arbeit vor. Wir lernten etwas über die Kältehilfe, Notübernachtungen, Gründe für Obdachlosigkeit und hörten Beispiele aus dem Arbeitsalltag der Beiden. Es war total interessant und wir hatten wirklich viele Fragen. Wusstet ihr, dass “Platte machen” sowas wie “obdachlos sein” bedeutet? Wir auch nicht. 😀

Am Ende schmiedeten wir einen gemeinsamen Plan und besprachen die nächsten Projekttage. Danach nutzten wir die Zeit, um uns noch ein bisschen besser kennenzulernen. Schließlich werden wir wir uns jetzt öfter sehen.

Was für ein erfolgreicher erster Tag! 🙂

Der Beratungsbus

Zu unserem nächsten Termin kam Sasa mit dem Beratungsbus des Drop Out Teams vorbei. An diesem Tag haben wir Vieles über die Arbeit mit Sexarbeiter:innen gelernt. Der Bus dient dabei als Schutzraum für Frauen, die hier kompetente Beratung, Kaffee und Wasser, Kondome, Gleitgel, Tampons, Flyer und Vitamine bekommen können.

Auch ein Radio gibt es. Das sei wichtig für die Stimmung, erklärte uns Sasa. Die Frauen sollen sich schließlich wohlfühlen und gern vorbeikommen. Wir durften alles anschauen, ausprobieren und hatten soooo viele Fragen:

“Habt ihr auch Decken hier im Bus, falls es mal kalt wird?”

“Wie lange darf eine Frau hier drin bleiben?”

“Gibt es schwangere Frauen auf dem Strich?”

“Also saßen hier mal Prostituierte, wo wir jetzt sitzen?”

“Wieso unterstützt ihr Menschen beim Drogennehmen?”

Die letzte Frage stellte eine Projektteilnehmerin, als wir den Container für benutzte Spritzbestecke anschauten. Es entstand eine anregende Diskussion über Safer Use und am Ende haben wir gelernt, dass beim Spritzen von Heroin und anderen Drogen sehr leicht Krankheitserreger übertragen werden, z.B. HIV oder Hepatitis-Viren. Deswegen ist es sinnvoll, dass Nutzer:innen hier neue saubere Spritzen bekommen und ihre benutzten entsorgen können.

Nach dem ganzen Input knurrte uns ganz schön der Magen. Da freuten wir uns umso mehr, dass Sasa auf die Idee kam, noch gemeinsam zu essen. Unser Tipp an euch: mit ner Scheibe Pizza in der Hand lässt es sich einfach viel besser reflektieren und auswerten! 🙂

Zum Schluss drückte uns Sasa noch einen Jahresbericht von den Drop Out Teams in die Hand, worüber sich alle sehr freuten und gleich anfingen darin zu blättern. Vielen Dank für den gelungenen Austausch! Wir freuen uns auf die nächsten Treffen!

“Ich habe heute gelernt, wie es ist mit Obdachlosen zu arbeiten. Es kann einfach jede:n treffen!”

“Ich finde es krass, dass es Leute gibt, die kommen, um Spritzen zu tauschen!”

“Jeder Mensch hat es verdient ein gutes Leben zu haben! Deshalb finde ich eure Arbeit so wichtig!”

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