Last Updated on 5. November 2015 by Anja Pyranja

Liebe und gebraucht zu werden sind etwas Wunderbares. Dennoch gibt es Menschen, die sich für einen anderen Menschen bis zur Besessenheit verzehren und den Grad der Liebe an den damit verbundenen Qualen messen. Aus einem solchen Verhalten, das die Person einem anderen Menschen entgegenbringt, kann eine Sucht werden. Menschen, die liebessüchtig sind, fixieren sich komplett auf eine andere Person und machen sie zum Dreh- und Angelpunkt ihres Lebens. Alles dreht sich ausschließlich um den Anderen, eigene Gefühle werden bis hin zur Selbstaufgabe vernachlässigt. Selbst wenn der Betroffene merkt, dass eine Beziehung das eigene seelische oder sogar körperliche Wohlergehen gefährdet, ist er nicht in der Lage, loszulassen und sich zu trennen. Diese extreme Hinwendung, die oftmals mit großem Leid verbunden ist, basiert nicht auf Liebe, sondern auf Angst. Diejenigen, die
so zwanghaft lieben, haben Angst davor, allein zu sein, Angst davor, nicht liebenswert oder überhaupt wertlos zu sein, Angst davor, nicht beachtet oder verlassen zu werden. Dies alles sind Ängste, die durch Erfahrungen, zum Teil schon in der frühesten Kindheit, entstanden sind. In der Hoffnung, dass z. B. ein Partner ihnen genau diese Ängste
nehmen kann, stürzen sie sich in eine Beziehung und entwickeln dabei geradezu eine Vorliebe für Situationen, in denen sie Gefühle und Konflikte erleben, die den schädigenden Kindheitserlebnissen ähneln. Nur so können sie immer wieder versuchen, eben diese Konflikte zu lösen. Ursachen für solche Verhaltensmuster sind Kindheitserlebnisse und ein Elternhaus, in dem ihren emotionalen Bedürfnissen nicht entsprochen wurde. Die (heimliche) Sucht gebraucht zu werden, ist eher ein weibliches Thema. Im Rahmen von Workshops mit Schulklassen zeigen sich bei einigen Mädchen oft schon erste Anzeichen dieser Verhaltensabhängigkeit. Dennoch gibt es auch Männer, die sich mit dieser starken Besessenheit in Beziehungen stürzen. Trotzdem entwickeln Männer mit demselben Ursachengefüge nur selten eine Abhängigkeit von Beziehungen. Sie versuchen sich eher zu schützen, indem sie Ziele anstreben, die mehr unpersönlicher als persönlicher Art sind. So neigen sie zum Beispiel
zu einer Fixierung auf Arbeit, Hobby oder Sport. Frauen, die zu sehr lieben, sind häufig in Partnerschaften mit Substanzabhängigen, insbesondere Alkoholikern, verstrickt. Die jeweiligen Abhängigkeiten unterstützen die Vertuschung, Verheimlichung und Verdrängung für beide und die Verschärfung der Suchtproblematik: Sie verhindert mit ihrer »Fürsorglichkeit«, dass die Substanzabhängigkeit offenbar wird und der abhängige Partner die Verantwortung für sein Handeln übernimmt. Durch die Verschärfung seiner Probleme liefert er die Voraussetzung dafür, dass sie sich verstärkt kümmern kann bis zur Selbstaufgabe.

Folgende Symptome können auf diese Verhaltensproblematik hindeuten:
• unbegründete Angst, allein zu sein
• das Gefühl, nicht liebenswert zu sein bzw. überhaupt wertlos zu sein
• alarmierend geringes Selbstwertgefühl
• Aufrechterhaltung und Verteidigung einer Beziehung (zu einem Partner), die sowohl das seelische Gleichgewicht und Wohlergehen als auch die körperliche Gesundheit und Sicherheit gefährdet
• große Angst davor, verlassen zu werden und die Bereitschaft, alles zu tun, um ein Verlassenwerden zu verhindern
• zu freundlichen, stabilen und verlässlichen Partnern fühlen sich Betroffene nicht hingezogen, diese werden im Gegenteil als »zu nett« und langweilig empfunden

Geschlechtshomogene Gruppenarbeit ist bei dieser Thematik unabdingbar. Frauen sollten hier mit den Mädchen ins Gespräch gehen und Männer mit den Jungen. Es ist wichtig, dass Symptome von problematischen Verhaltensmustern frühzeitig erkannt werden. Alle Selbstwert stärkenden Maßnahmen sind geeignet, um die Risiken einer Entwicklung einer »Sucht, zu sehr gebraucht zu werden«, zu verringern.

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