Last Updated on 7. Dezember 2021 by Thomas Mehwald

Wir haben in Marzahn viele neue Dinge in den letzten Monaten ausprobiert. Wir haben ganze Stunt Roller gebaut, Karbon Bremsen für Stunt Roller hergestellt, eigenartige Fahrradkonstruktionen entwickelt, Tshirts selbst gemacht, Grip tape für Roller glasert. Unsere Verbindung zum Streetcollge wurde enger, neue Leute sind gekommen, neue Ideen, neue Projekte. Die Werkstatt ist bekannt im Bezirk.

Ein Mann mit goldenen Händen ist zu uns gestoßen, er hat Erfahrung mit allen Werkstoffen, Materialien und Werkzeugen- und vor allem das Herz am richtigen Fleck, Bock auf Arbeit mit Jugendlichen. Motto: Alles was du dir vorstellen kannst ist machbar. Du musst es dir nur vorstellen können. Also machen und bauen wir.

Wenn man weiß, dass alles machbar ist, lebt man in einer komfortablen Situation. Dies ist für die Jugendarbeit von sehr großem Wert. Denn es gibt Möglichkeit, genau hinzuhören, den Ablauf der Argumentation zu verstehen, warum Sachen nicht gehen, oder nicht gehen können. Der Markenfetisch zeigt sich auf deutliche Art, der Fetisch welcher schon zu einer Lebensweise geworden ist. Die Logik geht so: „…meine Rollergriffe kommen aus Amerika, ich habe sie bei einer amerikanischen Firma gekauft.“ „Nein, sie werden in China hergestellt, die Firma hat vielleicht einen Briefkasten in Amerika, und eine nette Website hat sie auch.“ Das kaufen die Kids, eine nette Website, eine Story. Und tief drinnen wird die „Wahrheit“ angelegt: die Produkte kommen aus Amerika, aus Europa. Das ist nicht überraschend und nichts Neues, interessant ist die Vehemenz, mit der diese Logik verteidigt wird. Man merkt, dass es ein wichtiger Stein im Realitätsbau der Jugendlichen ist. Langsam, geduldig kratzen wir dran, und die Wege zeigen sich, die wir gehen können. Ins Machen kommen, ins Selbermachen. Wir lasern instagram Konten ins Grip Tape, sei’s drum, gesehen und gelernt haben sie, wie einfach es mit Grafikprogrammen geht, Bilder und Schriften zu erstellen. Den Laser können schon viele Kids grundsätzlich bedienen. Der nächste Schritt ist die Verbreitung des open source Programms inkscape unter den Jugendlichen, damit zu Hause vorgearbeitet werden kann und dann in der Werkstatt die Schnitte zum Beispiel für die eigenen Tshirts gemacht werden. Das aufstrebende Label „latent intelligent“ produziert auch schon erste Prototypen.

Das Ding soll groß werden, mehr Werkzeuge, mehr Experimente, mehr Produktion, mehr Prototypen, mehr verrückte Ideen, mehr Unternehmertum. Wir wecken den Schöpfergeist – er ist da in den Jungs und Mädchen, den Erwachsenen, dem Kiez, der Stadt. Er ist nur etwas zurückgezogen nach jahrelangem Bombardement mit Werbung, mit Komsumgeilheit, mit sozialen Netzwerken in denen leere Gestalten belanglose Produkte bewerben. Inwieweit Inflation das Selber-Machen notwendiger erscheinen lässt, erahnen wir nur, inwieweit Krisen dafür genutzt werden, endlich was zu lernen, was wirklich Sinn macht, erahnen wir nur, inwieweit in einer verwirrenden Zeit das Besinnen auf die eigene Schöpferkraft angezeigt ist, das wissen wir.

Grüße aus Marzahn, wo wir sagen: wir haben das Schloss, du den Schlüssel.

#lassmamachen

Unsere Werkstatt hat einen offenen Werkstattabend dienstags ab 19 Uhr, Marzahner Promenade 20.

Kontakt, Projektanfragen und ähnliches unter thomasm@gangway.de oder 0177501967

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