Last Updated on 9. April 2020 by Stefanie

Menschliche Bedürfnisse gibt es en masse. Teilweise sind sie individuell oft aber auch universell und gewöhnlich essentiell. Dabei ist es elementar, dass Mensch selbst bestimmen kann wann, wie und wo die eigenen Bedürfnisse befriedigt werden können. Dies muss für alle Menschen gelten, der Fokus hier liegt dabei auf unseren Adressat*innen, Obdachlose und Wohnungslose die auf Angebote angewiesen sind.

Gerade wird in vielen verschiedenen Bereichen der Wohnungslosenhilfe und durch engagierte Privatpersonen versucht auf die Corona-Krise zu reagieren. Essens- und Kleideraktionen laufen bereits seit einiger Zeit und erreichen größtenteils Menschen die diese benötigen. Dennoch gibt es derzeitig Bedürfnisse die nicht im benötigten Maße bedient werden.

Hände waschen ist gerade dringend empfohlen zur Verringerung der Ansteckung mit dem neuen Coronavirus. Hinzu kommt, dass aktuell die Temperaturen steigen und dadurch der Bedarf an Duschen. Aber was ist wenn es keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zu Waschmöglichkeiten gibt? Deshalb ist es wichtig, dass Menschen deren Lebensmittelpunkt aktuell der öffentliche Raum ist, die keine eigene Wohnung haben, sich duschen können.

Es gibt zwar Möglichkeiten der Körperhygiene, jene sind dabei in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe im Moment stark eingeschränkt. Für uns ist es durchaus nachvollziehbar, dass die auch schon vor Corona bestehenden Angebote reduziert werden um zu große Gruppenzusammenkünfte zu vermeiden und um sicherzustellen, dass Abstandregeln zwischen Menschen eingehalten werden können.

Trotzdem, die Chance, sich öfter waschen zu können ist gerade für unsere Zielgruppe von zentraler Bedeutung. Die Ausbreitung von hygienebedingten Krankheiten und Infektionen könnten dadurch drastisch verringert werden. Die Vermeidung eines geschwächten Immunsystems ist gegenwärtig wichtiger denn je.

Derzeit berichten uns täglich Menschen die wir auf unseren Runden antreffen, dass eine für sie akzeptable Körperhygiene ihr drängendstes Problem ist. Denn selbst wenn sie nach ihren Aussagen genug zu essen bekommen und sich mit frischer Kleidung versorgen können, ist die von ihnen gewünschte Körperpflege nicht zu realisieren, aufgrund von deutlich sichtbar weniger Angebot.

Ungewöhnliche Zeiten bedürfen manchmal ungewöhnlicher Lösungen. Deswegen ist es aus unserer Sicht zwingend notwendig, neue, kreative und unkonventionelle Optionen umzusetzen. Mehr Duschen müssen für obdachlose Menschen zugänglich gemacht werden. Wir können uns gegenwärtig vorstellen, dass die Duschbereiche von Schwimmbädern oder Turnhallen zu Duschbetrieben umfunktioniert werden? Momentan sind sie geschlossen. Die Stadt Hamburg zeigt, dass dies nicht unmöglich ist, sondern konkret umgesetzt werden kann. Hier wird es im Hallenbad St. Pauli Obdachlosen ermöglicht an mehreren Tagen in der Woche zu duschen.

https://www.fcstpauli.com/news/waschen-ist-wuerde-not-duschbetrieb-fuer-obdachlose/

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Duschen-fuer-Obdachlose-im-Hallenbad-St-Pauli,hallenbad146.html

Unbürokratische Lösungen für obdachlose Menschen müssen gedacht und geschaffen werden. Und dabei dürfen diese grundsätzlich, und aufgrund der Ansteckungsgefahr mit Corona im Besonderen, nur dezentral sein um möglichst allen den Zugang zu ermöglichen.

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