Last Updated on 29. Mai 2015 by Anja Pyranja

Jetzt geht es endlich los! Nach fast dreijähriger Planung, regem Schriftverkehr und mühsamer Spendenakquisition steht der Jugendaustausch mit unserer brasilianischen Partnergruppe “Posse Conceitos de Rua” – sozusagen abflugbereit.

Vom 03. bis 17.12.2002 fliegt nun endlich die 12-köpfige Gruppe Berliner MigrantInnen und sogenannten Einheimischen in die brasilianische Metropole Sao Paulo, um sich in gemeinsamen Workshops und Seminaren mit den brasilianischen Jugendlichen auszutauschen. In Sao Paulo werden die Berliner bereits von ihrer brasilianische Partnergruppe “Posse Conceitos de Rua” erwartet. Seit mehr als zwei Jahren standen beide Gruppen bereits in regem Schriftverkehr, getragen durch die Idee einer gemeinsamen HipHop- und Jugendbewegung in Sao Paulo.

Warum aber gerade HipHop?
HipHop, Rap, Breakdance und Aerosol Art (Graffiti) sind bedeutende jugendkulturelle Ausdrucksformen, sowohl in Deutschland als auch in Lateinamerika. Im HipHop werden Widersprüche, Identifikationen, Entwicklungspotentiale und auch Behinderungen erkannt, benannt, entwickelt und in der Umwelt der Jugendlichen vermittelt. Im HipHop finden viele Begegnungen, Entscheidungen, Reibungspunkte und Abgrenzungen statt, die für Jugendliche wichtig sind. In Aerosol Art bringen die Jugendlichen Ihre Sichtweise der Welt zum Ausdruck, die Aggressionen werden nicht selbst zerstörend (Drogenkonsum) sondern durch Unterstützung des Kreativpotentiales in eine produktive Entwicklung geleitet.

Wer oder was ist “Conceitos de Rua” nun aber konkret?
“Conceitos de Rua” ist ein gemeinnütziger Verein, gegründet 1991, der in der Region von Sao Paulo mit kulturellen, politischen und sozialen Inhalten arbeitet. Die Mitarbeiter/Innen des Bereiches Kultur stammen alle ursprünglich aus der HipHop Szene. Über das Medium des HipHop erreichen sie die Straßenkinder und -jugendlichen, die dann in HipHop Workshops Tänze und Lieder erarbeiten. Das eigene Verfassen der HipHop Texte lässt die Kinder und Jugendlichen ihr oft schweres Leben auf der Strasse verarbeiten, fördert soziales Engagement und führt an politische Inhalte heran. Hat die Begeisterung einmal um sich gegriffen, werden Schulen in die Arbeit einbezogen: Gemeinsam mit Lehrer/Innen wird HipHop und Jugendmusik zum Thema des Unterrichtes, damit die ehemals der Schule fernbleibenden Kinder und Jugendlichen (wieder) in den Unterricht eingegliedert werden können.
Neben unserem Partnerprojekt “Conceitos de Rua” treffen wir weitere Projekte und Institutionen, die sich mit den Themen HipHop, Rassismus und Straßenkinder in ihrem Arbeitsalltag beschäftigen und mit denen wir uns über die Situation in Brasilien und Deutschland austauschen.
“Travessia” arbeitet mit Straßenkindern in Sao Paulo, sie unterstützen die Straßenkinder in ihren Bedürfnissen nach Reintegration in die Familie bzw. ihren Wünschen nach einem weiteren Leben auf der Straße.
“Acão Educativa” versucht Kinder und Jugendliche durch verschiedene Kulturprojekte (z.B. HipHop) in ihren Lebens- und Schulalltag zu reintegrieren.
“Casa 10” ist ein Projekt, das ähnlich hiesigen Bewährungshelfern ehemaligen strafgefangenen Jugendlichen einen Rückweg in die Gesellschaft ermöglicht.
“Fala Preta” kämpft aktiv gegen Rassismus, speziell für schwarze Frauen.
“Espaco Crianca Esperanca” (dt. = Kinder der Hoffnung) arbeitet mit Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 21 Jahren, in erster Linie durch verschiedene Projekte.

Ziel des Projektes ist es in erster Linie, mit der Berliner Jugendgruppe, aufbauend auf Erfahrungen früherer internationaler Begegnungen, einen Austausch mit der brasilianischen Gruppe “Conceitos de Rua” durchzuführen und mit verschiedenen Medien an Möglichkeiten interkultureller und antirassistischer Kommunikation zu arbeiten. Es gilt Ursachen von Gewalt und Rassismus und deren Erscheinungsformen nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in Ihren Ausdrucksformen, in unserer Person zu erkunden. Konkret steht bei dem kulturellen Jugendaustausch die Unterstützung Jugendlicher aus sozial schwachen Gegenden in Sao Paulo und Berlin, an einer internationalen Begegnung teilzunehmen, im Vordergrund. Aufgrund ihrer sozialen Situation erfahren die Jugendlichen oft rassistische Diskriminierung. In Diskussionsrunden, Workshops und Seminaren können die Jugendlichen, ihre Alltagssituationen, rassistische Erfahrungen be- und verarbeiten und in verschiedenen Methoden mögliche Gegenstrategien zu erlernen. Das Überwinden kultureller und sprachlicher Hindernisse bei der Begegnung förderte die Fähigkeit der Jugendlichen zu sozialer Integration und Verständigung.

Was passiert aber nun konkret in den 14 Tagen in Sao Paulo?
In den Bereichen Rap, Aerosol Art und Tanz sollen in Sao Paulo gemeinsame Projekte entwickelt werden, ein Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Lebensalltag und auch Diskussionen über Armut, Globalisierung und Rassismus durchgeführt werden. Es sollen im Vergleich die Lebensbedingungen in Berlin und Sao Paulo, wie auch jugendkulturelle Möglichkeiten und Lebensbedingungen (bzgl. Schule, Arbeit, Medien, Jugendkulturen, Politik und Rassismus) bekannt gemacht und diskutiert werden.
Im Kennenlernen der konkreten Lebensbedingungen liegt eine große Entwicklungschance für die beteiligten Individuen, Projektgruppen und für die involvierten UnterstützerInnen

Ein starkes Engagement aller Beteiligten erfordern die gemeinsamen Projekte, wie Wandgestaltungen (Graffiti), Tanzevents (“Battle of the year”), thematische Workshops, Rollenspiele, Diskussionen (über Rassismus, Arbeitslosigkeit, Politik, Leben im Alltag, Medien), Erkundungsfahrten und die Musikworkshops.

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