Last Updated on 1. Dezember 2021 by Christina Comnick

„Respekt und Anerkennung. Wer dies in ausreichendem Maße von seinem unmittelbaren Umfeld erfährt, aber auch von der Gesellschaft, der wird es eher schaffen. Wer hingegen systematisch ausgegrenzt oder gar für minderwertig erklärt wird, der sucht sich zwangsläufig andere Wege. Und die wenigsten davon sind in unserem Rechtssystem kartographiert” (Muksmäuschenschlau. Wie ich als Hauptschulproll ein Abi mit 1+ hinlegte“ S.230.)
 

Yiğit Muk kennt Gangway e.V. und den Jugendclub Manege am Rütlicampus noch gut aus früheren Zeiten… Jetzt ist er 29 Jahre, studiert Wirtschaftswissenschaften und ist Kampfsportler, Schriftsteller und Unternehmer. Über seinen spannenden Werdegang hat er ein Buch geschrieben und hält nun Lesungen u.a. in Schulen, Gefängnissen und sozialen Einrichtungen. So auch vergangenen Samstag, als er sich Zeit nahm, um uns im Jugendclub Manege ein bisschen von seinem Lebenslauf zu berichten. 

Nachdem noch gemeinsam eine Runde Fußball gespielt wurde, trudelten langsam alle ein. Es wurde still im Raum, als Yiğit anfing zu erzählen, wie er als kleiner Junge in Neukölln aufgewachsen ist und mit anderen Jungs die Gang “R44” gründete. (Zu der Zeit gab es in Neukölln noch viele Gangs – wie z.B. die “Hertzberger”, “Spinne-Gang” etc. Unsere Kolleg*innen, die damals in Neukölln gearbeitet haben, können dazu auch einiges berichten 😉 ) Dann der Wandel – nach etlichen Delikten und Freunden, die bereits in Haft saßen, fing Yiğit an, über das Leben, seine Taten und Träume nachzudenken… Er entschied sich, das Abitur zu machen. “Damals kannte ich keinen einzigen Abiturienten in meinem Umkreis”. Er kämpfte sich durch, holte den erweiterten Hauptschulabschluss und daraufhin die Mittlere Reife nach. Letztlich führten ihn seine Zielstrebigkeit und Lehrer, die an ihn glaubten, bis zum Abitur… besser gesagt zum besten Abi Deutschlands in seinem Jahrgang. Aber das erwähnte Yiğit fast nur nebenbei in seiner Lesung.  Seine Message an die Jugendlichen war deutlich: Es muss kein Abitur sein. Im Kern gehe es darum, etwas zu finden, was einem wirklich(!) Spaß macht und erfüllt. Darum, an Träumen festzuhalten, Chancen zu ergreifen, Menschen schätzen zu lernen, die einen unterstützen und vor allem: zu erkennen, was in einem steckt- es sei nie zu spät für einen Neustart.

Alle im Raum hörten aufmerksam zu. Im Anschluss stellten die Jugendlichen noch Fragen und es wurden Erfahrungen ausgetauscht. Es war eine sehr schöne Runde und wir sind glücklich über jeden Einzelnen, der an diesem Samstagabend gekommen ist. Ganz lieben Dank nochmals an Yiğit und auch an unsere Kolleg*innen aus der Manege! 

“Ich habe (…) erfahren dürfen, welch unvorstellbare Kraft man entfalten kann, wenn Lehrer einem Perspektive und Motivation geben. Ich habe vermittelt bekommen, was Freude am Lernen bedeutet. Und wohin es einen bringt, wenn man diese Freude pflegt und sie eventuell sogar weitergibt. Es ist ein Geschenk fürs Leben. Ich werde ewig dankbar dafür sein” (S.249.)

 

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