Am Mittwoch, den 26. August 2026 hat Gangway – Straßensozialarbeit in Berlin e.V. zusammen mit dem Paritätischen Landesverband Berlin bei einem Pressegespräch Impulse und Forderungen zur Wohnungslosenpolitik und dem Umgang mit Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Berlin vorgestellt.
Das Gespräch fand im Vorfeld zur Protestveranstaltung „Menschen sind kein Müll“ am 10. September im Görlitzer Park sowie zur Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September statt.
Aktuell leben mehrere Zehntausend Menschen in Berlin ohne sicheren Wohnraum – auf der Straße, in (Not)Unterkünften oder prekären Verhältnissen. Tendenz: steigend! Allein 57.575 wohnungslose Menschen waren nach Senatsangaben am 31.01.2026 durch das Land Berlin untergebracht. Reell obdachlos lebende oder verdeckt wohnungslose Menschen sind hierbei noch nicht einmal einberechnet. Das Ziel des 2021 einmal gefassten Masterplans, Obdachlosigkeit bis 2030 in Berlin abzuschaffen, ist schon längst in weite Ferne gerückt. Zugleich beobachten wir eine Zunahme an ordnungspolitischen Maßnahmen als Antwort auf die Problemlagen, die eigentlich sozialpolitische Lösungen erfordern.
Hier setzen wir mit unseren Impulsen und Forderungen an:
- Es braucht eine soziale Wohnungspolitik, die die Schaffung und den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum für alle Mieter:innen in dieser Stadt in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellt, dabei auch die Umwidmung von Gewerbe- und Büroflächen in Wohnraum aktiv angeht, Vorkaufsrechte nutzt, die Verminderung von preiswertem Wohnraum verhindert sowie präventiv alles tut, um Wohnraumverlust zu vermeiden. Wir brauchen eine Politik, die klar auf der Seite der Mehrzahl der Menschen als Mieter:innen in dieser Stadt steht. Insbesondere müssen die Zugänge für bezahlbaren Wohnraum auch für junge Menschen gezielt verbessert werden.
- Wir benötigen Behörden, die, dem Kenntnisgrundsatz folgend, bei Wissen einer Hilfebedürftigkeit – egal ob zuständig oder nicht – sich zuständig fühlen
und entsprechend aktiv alles tun, um dieser geäußerten Hilfebedürftigkeit gerecht zu werden. Wir brauchen eine Politik, die Behörden in Berlin wieder bürgernah gestaltet, wo persönliche Ansprechbarkeit, Zuständigkeit und Erreichbarkeit zur schnellen Klärung von Sachverhalten für die Bürger:innen und ggf. bei Bedarf schnelle Terminvergaben möglich sind. Ideal wäre die Ausweitung und Vereinheitlichung von offenen Sprechzeiten über die Bezirksgrenzen hinweg. - Wir brauchen in dieser Stadt für die wachsende Zahl der wohnungslosen Menschen ein Beheimatungskonzept, das die lange und frustrierende Verweildauer oft in Mehrbettzimmern unter den derzeitigen teilweise sehr schwierigen ASOG-Bedingungen beendet und völlig neu denkt.
- Wir benötigen eine nachhaltige Finanzierungssicherheit und den Ausbau spezifischer und niederschwelliger Angebote der Wohnungslosenhilfe, z.B. zielgruppenspezifische Angebote, den Ausbau von Straßensozialarbeit in der gesamten Stadt sowie von verlässlichen ganzjährigen Tagesaufenthaltsmöglichkeiten (unter immer extremeren Wetterbedingungen) mit ausreichend Hygiene-, Gesundheits- und Beratungsangeboten sowie den Ausbau der ganzjährigen Notübernachtungsmöglichkeiten.
- Wir erwarten von verantwortlichen Politiker:innen auf Landes- und Bezirksebene sowie Entscheidungsträger:innen öffentlicher Unternehmen eine sachliche, empathische Auseinandersetzung mit dem gesamtgesellschaftlichen Thema der Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Wer Obdachlosigkeit versucht zu individualisieren, populistisch für Sicherheits- und Ordnungspolitische Maßnahmen missbraucht oder für rassistische Stimmungsmache nutzt, lenkt von eigentlichen strukturellen Problemen und deren Lösungen ab.
- Wir brauchen ein Ende der wachsenden, oft völlig kontraproduktiven Verdrängungspolitik gegenüber obdachlosen und prekär lebenden Menschen aus dem öffentlichen Raum in dieser Stadt.
Wir bitten die Wahlberechtigten im Land Berlin, sich für eine soziale Stadtpolitik einzusetzen.

