Last Updated on 1. Dezember 2021 by Anja Pyranja

Nachdem die Mädels im Rahmen des “My Style” Projektes wunderschöne Kleider entworfen und genäht haben, liegen nun auch die ersten Entwürfe für Taschen und Schuhe vor. Ganz nebenbei sind sie auch bei der Fashionshow von Eastpak gelaufen und hatten in den Vorbereitungen nicht nur die Möglichkeit, einen Einblick in die “wahre” Modewelt zu bekommen, sondern auch erste Erfahrungen als Modell bzw. “Fashionvictim” zu sammeln. Um den Inhalt des Projektes zu stärken und sich neu inspirieren zu lassen, fahren sie vom 16. bis 20. Juli in eine der größten Modemetropolen Europas, nach Wien. Dort werden sie durch ein Modedepot aus dem 19. und 20. Jahrhundert geführt, um die Entwicklung der Mode nachzuvollziehen. Desweiteren soll ihnen durch mehrere Fotoausstellungen klar gemacht werden, dass die moderne Fotografie meist nicht mehr die Realität widerspiegelt. Fashion und Lifestyle sollen dennoch nicht zu kurz kommen, von daher sind Shoppingtouren auf den wunderschönen und altbekannten Wiener Einkaufsmeilen sowie der Besuch der wichtigsten “Insider” für alle Fashionvictims schon mit eingeplant.

Donnerstag 16.07.2009: Ankunft in Wien

Um 4.30 h trafen wir uns alle am Flughafen Tegel und um 6.05 h startete das Flugzeug nach Wien. Um 7.20 h kamen wir in Wien an und machten uns erst mal auf den Weg ins Hotel, um unser Gepäck abzulegen Um 12 h hatten wir auch schon unseren ersten Termin für eine individuelle Führung durch das begehrte Modedepot, wo wir einen Einblick in die Mode des 19. und 20. Jahrhunderts bekommen haben; die Sammlung besteht aus über 20.000 Stücken, von Fächern über Unterwäsche, Brautkleider, Abendkleider bis zu Schuhen, Strümpfen, Schmuck, Herren- und Kinderbekleidung. Beindruckend war u.a. auch, wie klein und schmal die Sachen sind. Die 30 Grad im Schatten hielten uns nicht davon ab, uns erste Einblicke der Wiener Innenstadt zu verschaffen, wo wir Schawarma und Falafel zu Mittag aßen und feststellten, dass es noch nicht mal ansatzweise an die Kreuzberger Qualität rankommt. Gestärkt ging es zurück ins Hostel, um in unser Zimmer einzuziehen und kalt zu duschen und anschließend den Abend bei einer Open Air Jazz- Tanzveranstaltung im Museumsquartier ausklingen zu lassen.

Freitag 17.07.2009: 2.Tag in Wien

Nach dem Frühstück ging es zur Fotoausstellung von Thomas Ruff in die Kunsthalle Wien. Eine sehr nette und kunstbegeisterte Frau führte uns durch die Ausstellung, sie gestaltet den Inhalt so, dass es eine perfekte Einleitung für unseren späteren Fotoworkshop war. Die wichtigste Botschaft , die Thomas Ruff in seinen Bildern überbringen wollte, war, dass die Fotografie nicht unbedingt die Wirklichkeit widerspiegelt. Angefangen hat er mit 16 Jahren, als er Inneneinrichtungen in den Wohnungen von Freunden, Bekannten etc. fotografierte. Sehr bekannt sind seine Portraits für ihre Größe und die Schärfe der Bilder. Ende der achtziger Jahre hat sich Thomas Ruff bei der Polizei eine Maschine zum Erstellen von Phantombilder ausgeliehen und damit neue Gesichter erschaffen. Eine andere Fotowerkgruppe von ihm hat das Thema Weltraum. Er kaufte 200.000 Negative von der Nasa und bearbeitete sie mit neuen Farbtönen. Außerdem konnten wir Stereobilder von ihm angucken; das Besondere daran war, dass sie aus näherer Betrachtung einen 3D-Effekt erzeugten. Heute bezeichnet man ihn eher als Fotokünstler, da er die Fotos nicht mehr selber schießt. Uns haben die Stereobilder und die Weltraumbilder am meisten gefallen. Danach waren wir auf der Donauinsel picknicken und haben die Sonne, die in Berlin leider viel zu selten scheint, genossen. Nachmittags waren wir auf der bekanntesten Shoppingmeile, in der Mariahilfer Strasse, bummeln. Da in Wien die Läden schon um 19 h schließen, war es leider nur eine kurze Freude. Abends wollten wir das Wiener Nightlife etwas besser kennenlernen und sind noch alkoholfreie Cocktails trinken gegangen und wurden herzlich von dem “etwas angetrunkenen” Barkeeper unterhalten. Allerdings war der Service leider sehr enttäuschend.

Samstag 18. 07. 2009: 3.Tag in Wien

Heute morgen kamen wir alle sehr schwer aus dem Bett, draußen war es grau und kalt, vorallem aber war es nass, es hat geschüttet wie aus Eimern, eine unglaubliche Wetterschwankung, wenn man bedenkt, dass es die letzten beiden Tage unausstehlich heiß war. Gewitter hin oder her, um 13.30h mussten wir uns auf den Weg in das Wiener Museum machen, wo wir einen Termin für eine Führung durch die Modeausstellung “Grosser Auftritt – Mode der Ringstrassenzeit” hatten. Wieder war der “Sprecher” ein sehr netter und modebegeisterter Mann, einiges aus seinen Erzählungen war uns schon aus der Führung durch das Modedepot bekannt, aber vieles war auch neu und wieder sehr informativ. Wie z.B. die Tatsache, dass Sissi diejenige war, die als sehr schlanke und sportbegeisterte junge Kaiserin, den Trend neu definierte: Die Frau sollte nun nicht mehr schön und rund sein, sondern schlank und sportlich, je schlanker die Taille und je schmaler die Füße sein sollten, desto enger schnürrte man das Korsett und desto kleinere Schuhe hat man angezogen. Die Hauptaufgabe der Frau damals war es, schön auszusehen und das um jeden Preis. Hatten die Frauen aus den niedrigeren Schichten nicht genügend Geld, um sich regelmäßig neue Kleider schneidern zu lassen, haben sie eher gehungert als in der Öffentlichkeit zu zeigen, dass man arm ist. Sie wechselten ihre Kleidung 3 bis 8 Mal am Tag, zu jedem Anlass, angefangen bei der Morgengarderobe bis zur Friesiergarderobe, Tagesgarderobe, Ausgehgarderobe, Abendgarderobe und Schlafgarderobe. Mädchen ab dem Alter von 10 Jahren wurden in Korsetts geschnürt und Finger wurden geformt, um in die Handschuhe zu passen. Es ist einfach unglaublich, wieviel Zeit und Aufwand eine Frau in ihr Aussehen investierte; das Negative dabei ist, dass schon die Kleidung und der Lifestyle sehr gesundheitsschädigend waren, hinzu kam dann Sissi mit ihrem Schlankheitswahn – nun mussten die Frauen auch noch hungern, um schön zu sein. Nichtsdestotrotz sahen die Korsetts sehr schön aus und gehörten neben der Abendgarderobe und den Ballkleidern zu unseren Favouriten. Danach machten wir uns auf den Weg zum Hundertwasserhaus, ein Haus, das man gesehen haben muss. Zurück in der Mariahilfer Strasse wollten wir noch Geschenke kaufen, stellten aber enttäuscht fest, dass die Geschäfte Samstags nur bis 18 h geöffnet haben. Nach dieser Enttäuschung wollten wir wenigstens alle gemeinsam was Schönes essen gehen, was in Wien auch immer wieder eine neue Herausforderung ist, da es fast unmöglich scheint, was Gescheites zu finden und in Regen und Kälte macht das alles noch weniger Spaß. Endlich im Hostel angekommen, kuschelten wir uns in warme Decken und entpannten vor dem Fernseher.

Sonntag, 19. 07. 2009: 4.Tag in Wien

Heute morgen wurden wir wieder von der Sonne geweckt – als wäre gestern nichts gewesen, schien sie heute wieder wunderschön. Schnell machten wir uns fertig, um den Tag der freien Freizeitgestaltung so gut wie möglich nutzen zu können. Als erstes fuhren wir auf die Donauinsel, um dort Sport und Entspannung durch Treetboot fahren zu vereinen. Anschließend tankten wir am Ufer der neuen Donau noch mehr Sonne. Leicht gebräunt machten wir uns auf den Weg ins “Aida”, die wohl berühmteste Konditorei Wiens, um die begehrte Sachertorte zu essen und den besten Kaffee Melange zu trinken, auch ein absolutes Muss, wenn man in Wien ist. Gestärkt stürzten wir uns in das nächste Abenteuer, den Prater-Rummel, wo eineinhalb Stunden wie im Flug vergingen. Adrenalingeladen ging das anschließende Packen zurück im Hostel auch ganz schnell. Als alles abreisefertig war, haben wir uns alle nochmal zusammen gesetzt, um dieses Tagebuch zu Ende zu schreiben und mit einem gemeinsamen Resümeé die Fahrt abzuschließen. Nun heißt es schnell schlafen gehen, da wir morgen wieder um 6.30 h am Flughafen sein müssen.

Feedback der Teilnehmerinnen

“War cool”,”Hat Spaß gemacht”
waren die ersten Antworten, als wir die Mädels fragten, wie ihnen die Fahrt gefallen hat. Um etwas nähere Antworten zu kriegen, fragten wir sie nach positiven und negativen Dingen.
Positiv an der Fahrt war das Programm, das so gestaltet wurde, dass jeden Tag etwas Themengerechtes unternommen wurde. Die Mädels meinten, dass ihnen die Fahrt viel gebracht hat, weil sie sehr viel Neues erfahren und dazu gelernt haben. Am Kulturprogramm hat ihnen das Modedepot mit seiner Geschichte und Entwicklung der Mode am meisten gefallen sowie die Fotoausstellung, bei der sie interessante Hintergründe der Fotografie erfuhren.
An Wien genossen sie an erster Stelle das wundervolle Wetter und die Café-Besuche, die in Wien zu Jedermanns Alltag gehören- mindestens eine halbe Stunde am Tag, einfach nur in einem Café zu sitzen, was zu trinken und mal nichts zu tun. Die Hundertwasser-Häuser “sind eine sehr schöne Idee” und geben der Stadt ein besonderes Flair. Der Rummel gehört natürlich auch zu den Höhepunkten Wiens. Die unzähligen verückten Menschen werden uns wohl auch immer wieder zum Lachen bringen, wenn wir an Wien zurück denken.
Als wir sie nach den negativen Dingen fragten, kam wie aus der Pistole geschossen: “der Gestank in der U-Bahn” und das sagen wohlgemerkt die Berliner, der Gestank war also schlimmer als wie z.B am Kottbusser Tor in Kreuzberg. Der nächste und letzte negative Punkt an Wien ist, dass die Läden so früh schließen, “sie sollten sich mal ein Beispiel an richtigen Hauptstädten nehmen, ist doch echt peinlich für Wien, dass sie so früh zumachen” war die Meinung dazu.
Im Großen und Ganzen war es eine sehr schöne, informative, kulturelle und entspannte Reise, die nicht nur themenvertiefend war, sondern auch die Gruppe zusammen schweißte und eine gute Vorbereitung auf die anstehenden Workshops nach den Sommerferien war.

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