Straßensozialarbeit in Berlin

Gangway in der PULS Reportage – ein Nachtrag

Normalerweise vergeben wir ja keine Kurzzeit-Praktika, aber für die Reporterin Leah Nlemibe vom PULS Reportageteam haben wir unlängst eine Ausnahme gemacht und sie für drei Tage in Nord-Neukölln mit auf die Straßen genommen. Sie und das Kamerateam von PULS haben dabei viele Arbeitsbereiche der Streetwork hautnah miterlebt: Rundgang, Einzelbegleitung beim Gerichtsverfahren, Beratung in der Sprechstunde und Gruppenarbeit. Das Ergebnis ist ein zwanzigminütiger Einblick, der die Vielfalt aber auch die Herausforderungen unseres Arbeitsfelds abbildet.

Gleichzeitig lässt sich die Komplexität der Straßensozialarbeit nicht in nur zwanzig Minuten darstellen, schließlich basiert sie unter anderem auf langfristiger Begleitung und Beziehungsarbeit. Die Begleitung eines Gerichtsverfahrens, wie in der Doku gezeigt, ist zum Beispiel immer nur ein kleiner Teil des Weges! Der Großteil der Arbeit liegt da meist noch vor dem Jugendlichen und uns, nämlich gemeinsam eine Perspektive abseits von Gewalt und Kriminalität zu entwickeln, die dem Jugendlichen ermöglicht, sein Leben – sowohl privat als auch beruflich – eigenverantwortlich zu gestalten. Zum Beispiel indem wir ihn dabei unterstützen, mit fehlender Chancengleichheit sowie Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen umzugehen. Zusätzlich einen Schulabschluss nachzuholen, eine Ausbildung zu finden oder aus einem belasteten Elternhaus auszuziehen. Obendrein ist der Umgang mit Frustration sowie starken Emotionen ein wichtiger Bestandteil für unsere Arbeit.

Im Streetwork verfolgen wir einen kritisch akzeptierenden Ansatz. Uns geht es in der Arbeit nicht nur darum, die Jugendlichen vor Sanktionen zu schützen, sondern auch darum, ihnen ihr Verhalten und die Konsequenzen zu spiegeln. Gleichzeitig sehen wir sie immer als ganze Menschen mit all ihren Facetten und nehmen dabei genau die Anknüpfungspunkte in den Blick, an denen sich eine positive Persönlichkeitsentwicklung entfalten kann.

All das hat es nicht in die Doku geschafft, gehört aber trotzdem zur Wahrheit dazu, wenn man sich ein Bild über Streetwork machen will. Für ein komplexeres Bild empfehlen wir z.B. den Blick in unsere Jahresberichte oder auch die Doku „In den Straßen von Berlin“, wo es um die Anfänge der Streetwork und die Ansatzpunkte, die dahinter stehen, geht.

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