Was kann Social Media bewegen?

Was man auf den ersten Blick nicht wirklich auf einen Nenner bringen würde sind die Begriffe Straßensozialarbeit und Social Media. Wenn auch beide das Wort „Sozial“ in sich tragen, fehlt für viele Straßensozialarbeiter*innen der Bezug zu Medien wie Instagram, Twitter und Co. Doch es lohnt sich einen zweiten Blick auf die verschiedenen Plattformen und somit auch auf die Relevanz für unsere Arbeit zu werfen.

Wieso dieses Thema für uns so von Bedeutung ist, würde ich gerne im folgenden Abschnitt, anhand einer aktuellen Begebenheit, aufzeigen.

Am 09. Januar 2020 scrolle ich durch unseren Instagram Account um mir – wie fast täglich – aktuelle Storys der Kolleg*innen, Kooperationspartner*innen und Organisationen anzuschauen. Die Startseite auf Instagram zeigt auch Storys und Beiträge von Organisationen oder Personen, welchen man nicht folgt — auch dort schauen wir immer wieder rein, um interessante Informationen, die für unsere Arbeit nützlich sein könnten, herauszufiltern.

Dabei stoße ich am frühen Abend auf einen Post einer jungen Frau, welche in ihrer Story beschreibt, dass sie auf circa 2.000 frisch gekochten und verpackten Essen säße. Als ich sie anschreibe erzählt sie mir, dass ihr Name Juliane sei und sie eine Organisation leite. Dank des Lebensmittelschutzgesetzes könne sie die frischen Essen, welche kein Mindesthaltbarkeitsdatum aufweisen, am Folgetag nicht mehr verkaufen. Im Umkehrschluss hieße das, dass über 2.000 Essen entsorgt werden müssten.

Lebensmittelverschwendung ist ein zentrales Thema, welches uns schon sehr lange auch privat begleitet. Wir achten auf unsere Umwelt so gut wie wir es können, leben zum Teil vegetarisch oder vegan und versuchen mit unseren Lebensmitteln achtsam umzugehen. Julianes Post hat mich folglich direkt angesprochen — doch wie können wir nun aktiv helfen?

Der Gedanke, die Essen hilfebedürftigen und obdachlosen Menschen in Berlin zur Verfügung zu stellen war naheliegend. Sowohl Organisationen wie der Kältebus Berlinals auch viele Privatpersonen wie z. B. Byorn, der in einer nicht-Staatlichen Unterkunft für Flüchtlinge und Obdachlose arbeitet, wurden direkt von uns kontaktiert und informiert. Natürlich haben wir auch unsere Gangway Dropout Teams mobilisiert. Ein Haupttreffpunkt (S-Bahnhof Landsberger Allee) wurde festgemacht – von dort aus wurden gegen 18.45 Uhr Essen an alle Organisationen und Helfer*innen verteilt, die dann wiederum in mehreren Bezirken ausgeben konnten. Juliane fuhr mit mehreren Unterstützer*innen dann weiter — vom Treffpunkt aus ging es zum Alexanderplatz, dann in Richtung Charlottenburg und Neukölln.

 

© Steve Knutson


Wir konnten dank Social Media tatsächlich 2.000 Essen an Obdachlose und Hilfebedürftige Menschen ausgeben – 
innerhalb von 5 Stunden haben wir es geschafft eine ganze Menge zu bewegen. Von der Idee und Planung, über die Kontaktaufnahme zu verschiedenen Organisationen und Vereinen und die Mobilisierung interner Gangway Teams bis hin zur Essensverteilung konnten wir gemeinsam alles umsetzen und somit vielen Menschen eine gute und sättigende Mahlzeit ermöglichen.

 

„Wir sind so überwältigt von der ganzen Hilfe und dass wir alles los werden konnten, ist immer noch surreal. Ich habe noch viele Anfragen von Helfern bekommen und meinte, wenn sie es wirklich ernst meinen und dauerhaft helfen wollen, sollen sie mal eure Seite besuchen. Wir haben wirklich viele glückliche Gesichter gesehen!“

Juliane, @sparrowheartedmind on Instagram


Wir danken allen Organisationen, Privatpersonen, Vereinen und Kolleg*innen die mitgeholfen haben und diese Aktion möglich gemacht haben,
 vor allem Juliane für diesen unglaublichen Einsatz.

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