Es geht um Beziehungen. In der Streetwork wie in der Bildung. Beides interessiert mich, weil es meinem Naturell nahekommt. Ich baue gerne Beziehungen mit Menschen auf, lerne gerne Menschen kennen. Lasse mich berühren, tauche ein, erkenne. Sie und mich. Je länger ich Made in Marzahn mache, desto mehr Menschen lerne ich kennen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Kollegen, zufällige Bekanntschaften, Besucher von Jugendclubs. Da ist was dran mit der Digitaltechnik, mit dem Wissen-teilen, mit der Community Produktion. Ich sehe das allerdings in letzter Zeit entspannter. Ich mache das nicht, weil ich das für so überwichtig halte, sondern weil es mir Möglichkeiten gibt, ich zu sein und auf Andere einzugehen. Sie kennen zu lernen. Bildung ist Beziehung aufbauen. Das was und Inhalte sind eher Kollateralschäden, Zutaten für ein schönes Beisammensein. Sich kennen lernen, Perspektiven auf die tatsächlichen Herausforderungen der realen Welt zu entdecken, das ist, was zählt. Wenn ich meine Maschine aufbaue, Software zeige, Dinge einstelle, muss ich grinsen, mir gehen Gedanken durch den Kopf, ich rede vor mich hin. Jemand steigt drauf ein oder nicht. Ich kann beobachten. Was die Menschen um mich tun, worüber sie reden. Wie sie sich verhalten. Ich tauche ein. Alles erstarrt, wenn der Laser angeht. Es kommen Fragen auf. Die beantworte ich, oder frage zurück in die Runde. Wir nehmen uns was da ist. Machen es selbst. Eine besondere Wachsamkeit ist schon notwendig, stellt sich aber mit der Zeit ein. Keine Bewertung. Jede Idee für Druck oder Laser ist ein Einblick in die Seele des Anderen, ich spüre Dankbarkeit.

Es ist absolut sinnvoll, die Werkstatt und das Computer Aided Design (CAD) Programm auszubauen. Nach nur 2 Wochen CAD merke ich: alles ist zusammen, was es braucht: potente Werkzeuge, eine freie, semiprofessionelle Design Software. Alles Werkzeuge, ja. Der Zweck und Kontext müssen stimmen. Den kann niemand garantieren. Es ist die Essenz der Technik und des wissenschaftlichen Verständnisses unserer Zeit. Ein Weg, Fakten zu sehen: Mathematik, Physik, Chemie. Boolesche Operationen, Polyactide, monochromatisches Licht. Interessiert wenige wenn es im Buch steht. Benutze einfach beim entwerfen und bauen.

Es ist nicht so, dass wir auf dieser Welt nicht wissen, was gut und sinnvoll ist. Wir (erwachsenen) Menschen sind zu ängstlich, dieses Sinnvolle an uns heranzulassen und damit zu ängstlich, dieses Sinnvolle an die nächste Generation zu geben. Die dreht uns nämlich einen Strick daraus. Zeigt uns, wie lächerlich wir mit unseren politischen Diskussionen, Verboten und Einfältigkeiten sind.

Die Welt wird nicht untergehen, sie ist nur grad mal wieder in einer kollektiven Psychose. Das kommt und geht. “ Lass Dich nicht ärgern, halt durch!” sagt die Verkäuferin an der Kasse bei Rewe zur andern. Durchhalteparolen, kommt mir bekannt vor. Aber bis wann? Und dann? Ich blicke mit zärtlichem Blick auf Marzahn. Die Leute hier haben eine Weisheit, ich spüre und weiss es. Alles gesehen. Alles erlebt. Kapitalismus bringt Bonzen hervor, Sozialismus bringt Bonzen hervor. Was kommt als nächstes? Tief drinnen bin ich ja ein bisschen Romantiker, denke: wenn wir eine gesunde Spiritualität in uns entdecken können, kommt etwas Ruhe rein. Das kann auch hinhauen, dies zu entdecken, aber der Mensch ist der Mensch und übertreibt auch das. Und in 150 Jahren sitzen wir alle im Kloster und die ganze Leier geht von vorne los. So ist es wohl: ein endloses Hin- und Herschwingen zwischen der materiellen und der spirituellen Welt, und irgendwelche bizarren Verrückten steigen auf den Olymp und rufen den Endsieg aus.

Der Schwesterartikel hierzu: https://www.offene-werkstaetten.org/post/von-dinos-und-druckern

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