Bretter, die die Welt bedeuten, oder Team BP bei den „Ratten 07“

Im November 1992 hatte an der Berliner Volksbühne eine ungewöhnliche Theaterproduktion Premiere. In „die Pest“ nach dem gleichnamigen Roman von Albert Camus waren auf der Bühne neben professionellen Schauspieler_innen 15 obdachlose Menschen als Darsteller_innen auf der Bühne aktiv, die eigens für dieses Stück angeworben wurden.

Nach der letzten Vorstellung im Dezember des gleichen Jahres sollten sie das Staatstheater wieder verlassen und den Betrieb wieder den Kulturprofis überlassen. Doch die Menschen von der Straße hatten Gefallen am Theater gefunden und weigerten sich zurück in die winterliche Kälte zu gehen, so dass die Volksbühne nach Verhandlungen bereit war ihr Vorhaben als eigene Theatergruppe weiter zu arbeiten unterstützte. Sie gaben sich den Namen „Ratten 07“ und sorgten in den kommenden Jahren für allerhand Aufsehen mit ihren Interpretationen klassischer Theaterliteratur, und das weit über die Grenzen Berlins hinaus.
Heute, 20 Jahre später, ist die Gruppe nach wie vor aktiv, doch sind die Darsteller_innen inzwischen sesshaft geworden. Es handelt sich also um eine Gruppe Ex-Obdachloser.
Da manche der Menschen, denen wir täglich auf der Straße begegnen, Interesse an Kultur in Form von Theater haben, war es naheliegend eine Vorstellung einer Gruppe mit diesem Hintergrund zu besuchen. So luden wir sie am 30.1.2013 zur derzeitigen Produktion „Biberpelzen“, die frei nach der Komödie Gerhart Hauptmanns inszeniert wurde, in den RAW-Tempel in Friedrichshain ein. Die Story um eine sich durch Diebstähle ernährende Wäscherin, aber vor allem die Spielfreude und die Energie des Ratten-Ensembles sorgten sehr schnell dafür, dass der Funke zwischen den Ex-Wohnungslosen auf der Bühne und den aktuell Wohnungslosen im Publikum übersprang.

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