Unter dem Titel „The Show must go on? – Soziale Arbeit im Kontext des Profifußballs“ trafen sich vom 20.-22. März 60 Fanprojekte aus den 1. bis 5. Ligen, um sich über aktuelle Herausforderungen der sozialen Arbeit im Fußballkontext auszutauschen.

Die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte Sophia Gerschel betonte bei der Auftaktveranstaltung, dass sich der Profifußball stetig weiter entwickelt. Es ist inzwischen eine große Show mit Entertainment in den Pausen, steigender Kommerzialisierung, wachsenden Zuschauerzahlen und einer größeren Öffentlichkeit. Für die Fanprojekte stehen die Fans im Mittelpunkt. Mit ihrer Leidenschaft für Fußball stoßen sie oft an ihre Grenzen, werden als Störfaktoren gesehen und oft aus den Stadien ausgeschlossen. Der Herausforderung der veränderten Rahmenbedingungen müssen sich die Fanprojekte stellen, Soziale Arbeit muss da mithalten. Deswegen treffen sich einmal im Jahr die Fanprojekte aus dem gesamten Bundesgebiet, um sich über die Rahmenbedingungen auszutauschen, über ihre Rolle zu sprechen und darüber, wie sich Fansozialarbeit verändern muss.
Elvira Berndt, die Geschäftsführerin von Gangway e.V., stellte die Bedeutung solcher Tagungen heraus, die der Vereinzelung der Arbeit entgegenwirken und somit zur Professionalisierung beitragen sollen.

Organisiert wurde die Tagung in diesem Jahr vom Ostverbund der BAG und den beiden gastgebenden Fanprojekten in Berlin. Eines davon ist das Fanprojekt von Gangway, das seit drei Jahren aufsuchende Jugendsozialarbeit rund um die Alte Försterei mit den Fans von UNION Berlin macht.

Zu den wichtigsten Grundprinzipien der Fanarbeit zählt Vertrauen und Parteilichkeit. Nur wenn die Fans den Sozialarbeiter*innen vertrauen, öffnen sie sich und suchen Hilfe. Fanprojekte unterstützen die Fans einerseits bei der Bewältigung von persönlichen Problemlagen, andererseits auch im Dialog mit den Vereinen und Verbänden. Pascal Poetke vom Fanprojekt Alte Försterei sagt über seine Arbeit, dass insbesondere der Dialog auf Augenhöhe wichtiger Bestandteil der Arbeit ist. Bei UNION finden die Fans Gehör und somit fühlen sie sich ernst genommen.

Zu Beginn der Tagung sprach die Staatssekretärin für Bildung und Jugend, Sigrid Klebba zu den 160 anwesenden Gästen. Sie betonte die Bedeutung der Fanarbeit als Brückenbauer zwischen den Fans und den anderen Zielgruppen des Fußballs. Auch DFB-Präsident Reinhard Grindel unterstrich die wichtige Dialogfunktion der Fanprojekte zwischen den Fans und den Verbänden und Vereinen. Besonders wichtig ist auch die Beziehungsarbeit zu den Fans, wo es u.A. um Ausbildung und Arbeit geht, um Schulden und Suchtfragen, um Unterstützung sowohl bei Freizeiten als auch bei Strafverfahren. Den Fanprojekten gehört sein großer Dank, dass Themen wie Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus weitestgehend aus den Stadien verschwunden sind. Weiterhin sicherte er für die Zukunft die Unterstützung der Arbeit der Fanprojekte und Fanszenen seitens des DFB zu.

Im Anschluss sprach der Journalist und Jugendkulturkenner Klaus Farin über Jugend und Jugendkulturen. Er betonte gleich zu Beginn, dass es DIE Jugend gar nicht gibt, auch wenn immer von DER Jugend gesprochen wird. Die Jugendgeneration heute sei so brav, wie niemals vorher, so angepasst, so leistungskonform, so gesund, so gewaltarm und vernünftig. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft. Sie lebt in einer Mehrheitsgesellschaft, in der Leistung zählt, in der das ICH zuerst kommt, in der Empathie ein Auslaufmodell ist, in der Freiräume für Jugendliche immer weiter eingeschränkt werden, aus der sie verdrängt werden. Farin spricht über Jugendkulturen und der Bedeutung, sich einer Jugendkultur zugehörig zu fühlen. Ultras sind heute eine wichtige Jugendkultur – eine Jugendkultur, die hoch engagiert ist und die die Auseinandersetzung mit kontroversen Themen forciert. Laut Klaus Farin sind Ultras eine Keimzelle der Demokratie und verdienen Respekt und Anerkennung seitens der Vereine, Polizei und Politik.

Im Anschluss an seinen Impulsvortrag stellte sich Klaus Farin noch in einem Gespräch auf dem Podium den Fragen des Publikums und sprach mit Ultras verschiedener Vereine über aktuelle Entwicklungen. Vielen Dank allen Rednern für die Einblicke und gedanklichen Impulse.

Vielen Dank auch an den großartigen Moderator Knut Elstermann, der die Gäste der Auftaktveranstaltung mit verschiedenen Reden, Beiträgen und zahlreichen Film- und Audioeinspielern durch sein sonniges Gemüt hervorrangend begleitet und die Show perfekt ergänzt hat.

Weiter ging es am 21. März mit Workshops zu Themen, wie Umgang mit stoffungebundenen Süchten, Männlichkeit & Gewalt, der Rolle der Fanprojekte auf Auswärtsfahrten, Umgang mit den eigenen Ängsten und in Extremsituationen, das institutionelle Misstrauen in die Fanprojektarbeit, Nähe & Distanz und Rahmenbedingungen der Fanarbeit.
Zwischen den Workshop-Einheiten gab es auch etwas Raum für kollegiale Fachgespräche, Vernetzung und auch das Thema Zeugnisverweigerungsrecht in der Fanarbeit spielte eine große Rolle.
Am Abend traten die 4 Verbünde der BAG in einer Olympiade, bestehend aus Fußball, Bowling, Volleyball und Schwimmen, gegeneinander an und feierten im Anschluß gemeinsam ihre Erfolge.

Der Abschlußtag am 22. März war geprägt von einer Art Update für alle, bestehend aus Mitgliederversammlung, Kassenbericht, Neues von der KOS, Fortbildungsangeboten, Terminen etc.

Wir blicken zurück auf eine überragende Tagung, bei der alle viel Spaß hatten und trotzdem an vielen relevanten Themen intensiv gearbeitet haben.
In enger Kooperation mit dem Fanprojekt Berlin haben wir für die Jahrestagung 2019 in Hamburg neue Maßstäbe gesetzt und widmen uns nun wieder 100 %ig dem Alltagsgeschäft.

 

 

 

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