Ein Pinguin gehört nicht in die Wüste – Erfahrungsaustausch beim Vierseitengespräch zur Beruflichen Beratung

Am 16. November 2015 folgten knapp 30 Personen unserer Einladung zum zweiten Vier-Seiten-Gespräch zur Beruflichen Beratung benachteiligter junger Menschen an unseren berühmten runden Tisch. Bei der Veranstaltung haben Jugendliche mit Vertretern aus der Wirtschaft, Politik, Verwaltung und der Sozialen Arbeit diskutiert.
Nachdem der Fokus beim ersten Gespräch auf Stolpersteinen und Hemmnissen auf dem Weg ins Arbeitsleben lag, stand jetzt der Weg vom Stolperstein zum Meilenstein im Mittelpunkt.
Das Pinguin-Prinzip beschreibt ziemlich gut die Diskussion an dem Abend. Ein Pinguin gehört genauso wenig in die Wüste, wie ein technikinteressierter junger Mann in ein Reinigungsunternehmen.

Im Wesentlichen wurde von allen Seiten Schwierigkeiten bei der Berufsorientierung und der passgenauen Vermittlung junger Menschen gesehen. Es sind mehr kreative und jugendgerechte Angebote der Berufsorientierung notwendig. Genannt und kurz vorgestellt wurden der „Berufswahlpass“ und das Programm „Komm auf Tour“, die aber den Jugendlichen nicht bekannt waren. EQ-Maßnahmen (Einstiegsqualifizierung) wurden als gutes Beispiel für kreative Ausbildungselemente diskutiert, wenn sie auch kurzfristig möglich wären (nur bis 31.3.). In dem Zusammenhang wurde angemerkt, dass der Begriff Maßnahme bei Jugendlichen extrem schlecht besetzt ist und die Duale Ausbildung ein sehr schlechtes Image hat.
Im Zuge der Berufsorientierung sollten Jugendliche sich vor der Ausbildungswahl in der Praxis ausprobieren können, z.B. in Praktika. Auch der Zeitpunkt der Berufsorientierung ist entscheidend. Manche Jugendliche brauchen mehr Zeit, um zu wissen was sie wollen und können.
Probleme wurden auch in der Ansprache der Ämter gesehen. Die „grauen“ Briefe erschlagen die jungen Menschen. Sie wünschen sich eine persönliche Ansprache, weniger bürokratische Formulierungen und weniger Paragraphen. Jugendliche fühlen sich oft nicht verstanden, bzw. sie spüren zu wenig Interesse an der eigenen Person. Jobberater sollten sensibilisiert werden, auf junge Menschen eingehen zu können!
Mit positivem Beispiel geht das Tiefbau-Unternehmen „Frisch und Faust“ voran: „Machen, Ausprobieren und auch mal unorthodoxe Wege gehen“, so das credo des Unternehmers. Unternehmer hat etwas mit Unternehmen zu tun, auch beim Ausbildungsplatz …

Lange diskutierten die Anwesenden, ob Noten oder Fähigkeiten entscheidender sind. Die Jugendlichen wünschen sich, dass Betriebe weniger auf Noten schauen, da insbesondere das letzte Zeugnis nur eine Momentaufnahme und damit nur bedingt aussagekräftig ist. Vielmehr sollten sie an die Fähigkeiten der jungen Menschen glauben und diese fördern.
Aber woher kennen Jugendliche ihre eigenen und die geforderten Fähigkeiten? Dafür braucht es unter anderem einen praxisbezogeneren Schulunterricht mit Fächern wie „Alltagsmathe“ oder „Bürokratendeutsch“. Bei der Pin AG können Auszubildende z.B. ihren Finanzführerschein mit alltagstauglichen mathematischen Fragestellungen machen. Und auf einmal haben sie Spaß an Mathe, weil sie es für den Alltag brauchen.
Manche Jugendliche brauchen ganze andere Lernformen, um ihren Weg zu gehen. Das Gangway-Street College bietet alternative Lernmöglichkeiten an.

Und nicht zuletzt ist es zwingend notwendig, Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, in dem Jugendliche gestärkt werden, auch schwierige Situationen zu überstehen. Dafür gibt es bereits verschiedene Angebote, wie das Landesprogramm Mentoring mit ehrenamtlichen Mentoren oder die assistierte Ausbildung der Arbeitsagentur, die aber wiederum bei den Jugendlichen bisher wenig bekannt waren. In jedem Fall sind die Ausbildungsbetriebe gefordert, den Spaß an der Ausbildung zu fördern und gegebenenfalls Nachhilfe zu ermöglichen.

Wir danken allen Beteiligten für die offenen Worte und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Wir freuen uns auf das nächste Gespräch.


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