Seit September 2013 gibt es einen Platzdienst auf dem Leopoldplatz in Berlin-Wedding, der für Ordnung und Sicherheit auf dem Platz sorgt.
HINTERGRUND

Die größte und letzte Bauphase auf dem Leopoldplatz ist z.Z. in vollem Gange. Die aktuelle bauliche Umgestaltung sieht vor, wieder Bänke auf dem Platz zu installieren. Die Bänke werden den vorderen Bereich vor der Schinkelkirche umrahmen und dabei die Passanten im Areal der Brunnenanlage sowie der Fahrradständer zum Verweilen einladen. Den Platznutzern (z.B. Anwohnern und Passanten, Kindern, Jugendlichen und Familien) soll damit die Möglichkeit gegeben werden, sich den Platz vor der Schinkelkirche mit seinen „neuen“ Qualitäten anzueignen. Denn die verstärkte Nutzung und Frequentierung des Leopoldplatzes durch diese Gruppen ist eines der elementaren Sanierungsziele.

Damit dies gelingt, soll eine Zurückorientierung der ansässigen drogen- und alkoholabhängigen Menschen von “ihrem” Aufenthaltsbereich und Trinkraum Knorke auf den vorderen Leopoldplatz – was in der Vergangenheit sehr konfliktträchtig war – vermieden werden. Denn es gilt, das Hausrecht der Nazarethkirchengemeinde (u.a. Alkoholverbot) auf dem Privatgelände ohne Verdrängung von bestimmten Gruppen und mit einer Gleichbehandlung von allen Platznutzern durchzusetzen. Dieses Ziel kann (langfristig) nur durch eine enge und kooperative Zusammenarbeit von Ordnungspolitik, aufsuchender Sozialarbeit/Streetwork und dem beauftragten Platzdienst erreicht werden.

ZIELSTELLUNG

Im Zuge dieser Überlegungen kam es u.a. in Abstimmung mit der hauptamtlichen Pfarrerin der Kirchengemeinde, der Kita-Leitung, der BBM GmbH, dem Stadtplanungsamt, interessierten Bürgern und dem Sozialen Platzmanagement Leopoldplatz zur Idee, einen temporären Platzdienst (Laufzeit: 01.09. – 30.11.2013) zu beauftragen, der zum Zeitpunkt der Aufstellung von Bänken seine Arbeit auf dem Leopoldplatz aufnimmt.

Die gemeinsame Zielstellung ist dabei, eine Zurückorientierung der lokal ansässigen Szene auf den vorderen Leopoldplatz zu verhindern, die Platznutzer auf die Regeleinhaltung im öffentlichen und privaten Raum hinzuweisen sowie eine Gleichbehandlung aller Platznutzer – egal ob dies Studenten, Touristen oder Teile der Szene sind – sicherzustellen.

Folgende Aufgaben werden u.a. vom Platzdienst durchgeführt:

• Streifen- und Kontrollgänge

• Direkte Ansprache von Platznutzern bei Regelverstößen, die die öffentliche und/oder private Ordnung stören
o u.a. Durchsetzung der Hausordnung der Kirchengemeinde
o Umgangston: „freundliche, aber bestimmte Regelsetzung“

• Keine Repression der lokal ansässigen Szene

• Deeskalierendes Einwirken und Gleichbehandlung aller Platznutzer

• Herbeiholen von Unterstützung durch Ordnungsamt und Polizei in schwierigen Situationen:
o Bsp. Notfallsituationen, Verstöße gegen die Hausordnung der Kirchengemeinde oder schwerwiegende rechtliche Verstöße auf dem öffentlichen Gelände

Da sich ein großer Teil des Platzes in Privateigentum der Kirchengemeinde befindet und diese bereits im Jahr 2010 Erfahrungen mit einem Platzdienst gesammelt hat, ist die Kirche der offizielle Projektträger. Anteilig finanziert wird der Platzdienst mit Mitteln des Aktiven Zentrums, der Kirchengemeinde und der BBM GmbH. Eine finanzielle Beteiligung vom Bezirk und Kirchengemeinde sowie anderen Anrainern ist wichtig, damit der Platzdienst sowohl auf dem öffentlichen als auch privaten Gelände des Leopoldplatzes wirken kann.

PERSPEKTIVEN

Der temporäre Platzdienst ist ein Probelauf, der einer intensiven Abstimmung zwischen Platzdienst, Polizei und Ordnungsamt sowie mit der Straßensozialarbeit bedarf. Die Gleichbehandlung aller Platznutzer_innen und die Vermeidung von Verdrängungsszenarien sowie die Sicherung der (zukünftigen) Finanzierung im Sinne einer „public private partnership“ (Bezirk, Kirchengemeinde und andere Anrainer) sind grundlegende Prämissen, damit sich dieses Projekt bewährt und perspektivisch – nach eingehender Prüfung des jeweiligen Sozialraums – auf andere urbane Räume übertragen werden kann.

Das Team Leo ist zuversichtlich, dass dies ein erfolgreiches Projekt wird, wenn alle beteiligten Projektpartner – wie bisher auch – konstruktiv und im Sinne des Gesamtprozesses am Leopoldplatz zusammenarbeiten.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Pfarrerin Judith Brock: j.brock@kirche-berlin-nordost.de

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